Worum geht es im Buch Prediger? Ist das Leben wirklich bedeutungslos?

Von der Bedeutungslosigkeit zum Sinn und zur Freude

Von der Bedeutungslosigkeit zum Sinn und zur Freude

Hast du schonmal innegehalten, einen Blick auf das Leben geworfen und gedacht: „Ist das alles? Was ist der Sinn des Lebens?“ Wenn ja, dann befindest du dich in guter Gesellschaft. Auch die Charaktere der Bibel haben mit dieser Frage gerungen, und keine mehr als der „Lehrer“ (hebräisch: Kohelet) im Buch Prediger. Der Autor stellt diese salomonische Figur zu Beginn des Buches vor, die seine rohe und ungefilterte Perspektive auf ein langes Leben voller Errungenschaften reflektiert. Und was ist die Schlussfolgerung des Lehrers? Alles im Leben ist bedeutungslos (Prediger 12,8)!

Moment mal! Steht das nicht im krassen Gegensatz zu den häufig zitierten, neutestamentlichen Aufforderungen von Paulus, sich „allezeit zu freuen“ und „in allem Dank zu sagen“ (1. Thessalonicher 5,16-18)? Paulus‘ Perspektive scheint unrealistisch optimistisch, wenn man an unsere kurzen, oftmals schwierigen Tage denkt. Warum unterscheiden sich diese beiden Autoren so stark? Interessanterweise werden wir mehr Gemeinsamkeiten zwischen Paulus und dem Lehrer finden, als es den Anschein hat.

Dem Leben fehlt es an echter Substanz

Stell dir vor, du greifst nach einer Brise Wind oder nach Rauch. So beschreibt der Lehrer die meisten Aktivitäten im Leben (z-B. Prediger 1,14). Das von ihm gewählte Wort, um das zu beschreiben, ist „bedeutungslos“ (im Hebräischen „Dampf“), oder etwas, dem es an echter Substanz fehlt. Aber was genau bezeichnet der Lehrer als Dampf? Viele Beschwerden des Lehrers im Buch Prediger scheinen stereotypisch für bestimmten Themen zu sein: Ausschweifung (Prediger 2,1-3), Luxus (2,4-6), Materialismus (2,7-8) und Sex (2,8). Allerdings erhebt er den gleichen Vorwurf der Wertlosigkeit gegen Themen, die uns an dieser Stelle überraschen: Weisheit (1,16-17), Ehe (9,9), harte Arbeit (4,1-8), Sparen für die Zukunft (2,18-23) und Teilen mit anderen (6,1-6).

Was für eine Liste von Beschwerden! Die negative Sichtweise des Lehrers – selbst auf die positiven oder wichtigen Dinge des Lebens – ist erschreckend. Sollen wir seine Sichtweise als ironischen Monolog des Pessimismus abtun? Der Autor scheint das nicht zuzulassen. Der Autor, der diese Beschwerden aufbewahrt, behauptet, der Lehrer „suchte gefällige Worte zu finden, wahre Worte richtig niederzuschreiben“ (Prediger 12,10). Müssen wir daraus schließen, dass das Leben wirklich bedeutungslos ist?

Eine wichtige Zutat für den Sinn des Lebens

Auf dem Höhepunkt des Buchs offenbart der Autor seine Schlüsselbotschaft in der Schlussfolgerung:

Lasst uns nun das Ergebnis des Ganzen hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Das soll jeder Mensch tun. Denn Gott wird jedes Tun vor Gericht bringen, alles Verborgene, es sei gut oder böse. (Prediger 12,13-14)

Eine ernsthafte Betrachtung der Einzelheiten des Lebens führt zu der berechtigten Beschwerde, dass das Leben keinen Sinn hat – sofern ein wesentlicher Bestandteil fehlt: Gott zu kennen. Der Autor sagt uns zwar, dass Gott zu kennen den Unterschied macht, aber er schenkt den Beschwerden des Lehrers und ihrer Notwendigkeit dennoch Glauben. Ja, das Leben ist hart. Ja, es fehlt ihm der Zweck. Ja, selbst die guten Dinge scheinen wertlos zu sein. Es ist, als ob der Autor uns die Erlaubnis gibt, unsere ungefilterten Beschwerden an Gott zu richten. Wenn wir uns die scheinbare Bedeutungslosigkeit des Lebens von der Seele geredet haben, was kommt dann?

Der Sinn des Lebens kommt von Gott

Der Autor lädt uns eine, eine neue Perspektive einzunehmen und von der Bedeutungslosigkeit zum Sinn und zur Freude zu gelangen. Ohne Gott ist das Leben tatsächlich sinnlos. Ohne Gott ist diese Existenz tatsächlich nur ein vorübergehender Hauch. Aber Gott gibt der Wertlosigkeit des Lebens einen Sinn. Ein Leben, dass sich am Schöpfer orientiert, entwickelt eine Substanz, die man fassen kann, während man ohne ihn nur weiter nach Wind greift. Der Autor bringt uns durch die Beschwerden des Lehrers zu dieser Schlussfolgerung und es scheint, als ob wir in gewisser Weise eingeladen sind, dem Gedankengang selbst zu folgen:

  1. Betrachte unsere momentane weltliche Existenz (z.B. Prediger 2,1).
  2. Erkenne die völlige Nichtigkeit unseres kurzen Lebens (z.B. Prediger 1,2).
  3. Beschwere dich bei Gott über die Sinnlosigkeit unseres Lebens (z.B. Prediger 2,11).
  4. Erkenne, dass Gott selbst zu kennen, den kleinsten und alltäglichsten Momenten einen Sinn gibt (z.B. Prediger 12,9-14).
  5. Freue dich, dass du Gott kennst, und lebe dein Leben (1. Thessalonicher 5,16-18).

Vielleicht sind der Autor und der Lehrer in Prediger in der Perspektive doch näher an Paulus, als wir dachten. Ein genauerer Blick auf die Paulusbriefe zeigt, dass auch er sich über Entbehrungen beschwert (2. Korinther 1,8) und gute Dinge für wertlos hält (Philipper 3,8-10). Dennoch kommt er zu dem Schluss, dass alle Dinge zur Ehre Gottes getan werden sollten (Kolosser 3,17). Vielleicht ist „sich allezeit zu freuen“ das Ende eines Prozesses, der damit beginnt, Gott gegenüber ehrlich zu sein, und der über das Klagen und Beschweren hinausgeht, um den gottgegebenen Sinn selbst in den gewöhnlichsten Aspekten des Lebens zu erkennen.

Original von Joe Slunaker
Übersetzung von Julia Pfeifer

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