Gottes Design für das Wachstum der Gemeinde

Lukas beschrieb in der Apostelgeschichte das Leben der frühen Gemeinde und dabei benutzte er bewusst literarische Stilmittel. In diesem Blog werden wir uns ein Beispiel aus Apostelgeschichte 2,38-47 anschauen.

Der literarische Aufbau in Apostelgeschichte 2,38-47

 

Nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, erschien er seinen Jüngern. Und er beauftragte sie, in Jerusalem zu warten, bis sie mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt sein würden. Er würde mit ihnen gemeinsam das Königreich des Himmels auf der Erde verbreiten, aber ohne seine Hilfe konnten sie nicht loslegen. Also warteten sie. Und tatsächlich kam Gottes Geist zu den Jüngern, wie Jesus es versprochen hatte. Als die Jünger Gottes Geist empfingen, erlebten tausende Menschen durch sie Gottes Kraft und schlossen sich der Bewegung an. Aber wie ging es weiter? Wozu waren Jesu Jünger besonders bevollmächtigt worden, um Gottes Plan für das Wachstum der Gemeinde zu erfüllen?

 

Vier Formen der Hingabe: Das literarische Design von Lukas in Apostelgeschichte 2,38-47

 

Lukas beschrieb in der Apostelgeschichte das Leben der frühen Gemeinde und dabei benutzte er bewusst literarische Stilmittel. In diesem Blog werden wir uns ein Beispiel aus Apostelgeschichte 2,38-47 anschauen. Hier können wir erkennen, dass Lukas ein Muster von sich wiederholenden Ideen nutzte, um vier konkrete Formen der Hingabe zu identifizieren, für die die frühe Gemeinde vorgesehen war:

  1. Aufmerksam sein für Gottes Wort und Taten
  2. Gemeinschaft mit anderen Christen, Ressourcen teilen
  3. Brotbrechen/Abendmahl
  4. Gebet und Lobpreis

Lass uns einmal anschauen, wie diese Dinge in der literarischen Struktur der Apostelgeschichte auftauchen. Achte beim Lesen einmal darauf, wie häufig diese vier Praktiken im Text auftauchen.

Tabelle Apostelgeschichte 2 38

Achte auf die zwei Hauptabschnitte im obigen Text. Im ersten Teil (Verse 38-41) wird beschrieben, wie Jesu Jünger sich Gott zuwenden, sich taufen lassen, Vergebung für ihre Sünden empfangen und vom Heiligen Geist erfüllt werden. Der zweite Abschnitt zeigt vier wichtige Praktiken, die einem Leben aus Vergebung und erfüllt vom Heiligen Geist folgen. Die werden in den Versen 42-47 dargestellt. Vers 42 fasst alle vier Praktiken zusammen, während die folgenden Verse (43-47) jede einzelne genauer beschreiben.

Außerdem hat Lukas die vier Formen bewusst eingerahmt von der wiederholten Beschreibung, wie stark die Gemeinde wächst. Dies ist ein gebräuchliches literarisches Stilmittel namens Inclusio. Es funktioniert wie die Ränder einer Lupe und zeigt uns, worauf der Fokus liegen sollte. Also lass uns das etwas näher betrachten und uns anschauen, warum diese Struktur so wichtig ist.

 

Warum ist die literarische Struktur wichtig und wie hängt das mit dem Wachstum der Gemeinde zusammen?

 

Mit dem literarischen Design veranschaulicht Lukas Gottes Vorstellung vom Wachstum der Gemeinde. Die Themen Buße und Hinwendung zu Gott, Taufe als Zugang zu Jesu Familie, Vergebung der Sünden und Erfüllung durch den Heiligen Geist stehen an erster Stelle im literarischen Aufbau, weil sie auch an erster Stelle im Leben eines Jüngers von Jesus stehen. Bevor jemand ein radikal anderes Leben führen kann, muss diese Person erst von Gott dazu ermächtigt werden. Und wie erhält jemand Gottes Kraft? Um Gottes Geist zu bekommen, muss man Buße tun – das bedeutet einfach: innerlich umzukehren und sich darauf einlassen, wer Gott ist. Wenn sich jemand Jesus zuwendet und von den eigenen Strategien für jegliche Lebensprobleme abwendet, zeigt diese Person, dass sie an Gott glaubt, und wird ein Teil seiner Familie. Dieser Wendepunkt soll mit der Taufe gefeiert werden, ein Symbol dafür, dass Gott der Person vergeben und ihr ein neues Leben in ihm geschenkt hat. So endet der erste Abschnitt und legt die Basis für die Elemente des zweiten Abschnitts.

Hier zeigt Lukas, dass die Nachfolger Jesu sich mit ihrem neuen Leben vier Dingen widmen: Gottes Wort und Taten, dem Teilen des gemeinsamen Lebens, dem Brotbrechen als Quelle dieser Gemeinschaft, sowie Gebet und Anbetung. Es fällt auf, dass diese Liste eine gewisse Logik enthält. Zum Beispiel bilden die Lehren Gottes und das Erleben seiner Taten die sichere Grundlage, von der aus die Jünger großzügig ihre Ressourcen mit anderen teilen können. Und wenn das geschieht, haben alle Beteiligten die benötigte soziale und materielle Unterstützung, um das Brot zu brechen und Jesus dafür anzubeten, was er getan hat, um sie zu vereinen.

Diese vier, durch Gottes Geist ermöglichte Praktiken, führten zu solchem Frieden und solcher Freude, dass tausende von Menschen sich der Bewegung anschließen wollten. Um das zu betonen, benutzt Lukas diesen Rahmen, das Inclusio, um die beiden Abschnitte durch die Tatsache zu verbinden, dass Gott jeden Tag mehr und mehr Menschen zu der Jesus-Bewegung hinzufügt. Diese vier Praktiken spiegeln Gottes Idee von einer gesunden, funktionierenden und wachsenden Gemeinde wider, auch heute noch. Lasst uns noch etwas tiefer einsteigen in die Bedeutung dieses Stilmittels.

 

Warum erwähnt Lukas immer wieder das Wachstum der Gemeinde?

 

Wenn ein Autor eine Umrahmung benutzt, will er die Leser auf ein wichtiges Konzept oder Thema aufmerksam machen. Der Inhalt der wiederholten Aussage betont das Thema, und die Aussagen dazwischen beziehen sich in der Regel darauf. Warum also betont Lukas das Wachstum der Gemeinde so in Apostelgeschichte 2,38-47? Was ist die Bedeutung dieses Konzepts in Bezug auf die gesamte biblische Geschichte?

Lass uns mit den ersten Seiten der Bibel anfangen, wo die meisten biblischen Themen ihren Ursprung haben. Als Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, befahl er ihnen, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren. Er stellte ihnen großzügig seine Ressourcen zur Verfügung und gab ihnen Nahrung als Grundlage für diesen Befehl. Und dann feierte er alles, was er geschaffen hatte, und bezeichnete es als „sehr gut“ (Genesis 1,27-31). Wenn wir weiterblättern in der hebräischen Bibel, lesen wir von einer Flut, die die Erde reinigt, und von Noah, der mit seiner Familie neu anfangen darf. Auch sie werden gesegnet und aufgefordert, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren (Genesis 9,1-7). Im Verlauf der Geschichte entdecken wir Abram und Sarai, ein altes und kinderloses Paar, die ohne Gottes übernatürliche Hilfe ihren Familienzweig nicht fortsetzen konnten. Gott versicherte ihnen, dass er ihre Nachkommen unzählbar machen wollte. Sie bekamen neue Namen, Abraham und Sarah, und Gott versprach ihnen, dass alle Nationen durch ihre Nachkommen gesegnet sein würden (Genesis 15,5; 16,10; 17,2; 26,4 etc.).

Vor diesem Hintergrund erkennen wir, dass Apostelgeschichte 2 den Beginn einer neuen Schöpfung markiert, wo Gottes Volk die Frucht seines Geistes hervorbringen und sich vermehren kann wie nie zuvor. Gott hat sein Versprechen an Abraham erfüllt – die Nationen wurden durch seine Nachkommen gesegnet. Mehr und mehr Nationen schlossen sich der Jesus-Bewegung an und sie hörten die gute Botschaft in ihrer eigenen Muttersprache. Sie sahen Gottes Taten und waren verblüfft. Sie wandten sich Gott zu, erlaubten ihm, alles Alte abzuwaschen, damit sie neu anfangen konnten. Auch nach diesem Neuanfang schenkten sie Jesu Worten und Taten Aufmerksamkeit. Sie teilten ihre Ressourcen, brachen das Brot und beteten Gott gemeinsam an. Und während sie das taten, fügte Gott immer mehr Menschen zu ihrer Gemeinschaft hinzu.

Weiter zu wachsen und Gottes Werk zu verbreiten war der Auftrag der Menschen von Anfang an. Das galt in Eden, im alten Israel, in der frühen Gemeinde und es gilt auch heute noch. Aber wie können wir „fruchtbar sein“ und uns „vermehren“?

Die vier Praktiken beantworten diese Frage. Wenn Nachfolger von Jesus sich diesen vier Dingen widmen, wird die Gemeinde wachsen. Das ist es, was Lukas durch sein Stilmittel betont.

 

Das Gemeindeleben erforschen

 

Der Aufbau von Apostelgeschichte 2,38-47 hilft uns, Gottes ursprüngliche und immer noch aktuelle Idee für das Wachstum der Gemeinde zu verstehen, sein gutes Werk in der ganzen Welt zu verbreiten. Wenn Menschen sich Jesus zuwenden und ihm nachfolgen, erhalten sie die kraftvolle Fähigkeit, nach Gottes Vorstellungen für die Menschheit zu leben. Diese neue Fähigkeit ermöglicht es Gottes Volk, sein himmlisches Design auf der Erde zu vervielfältigen. Der Himmel auf Erden breitet sich immer weiter aus, wenn Nachfolger von Jesus sich den Lehren und Werken von Gott widmen, ihr Leben und ihre Ressourcen mit ihrer Gemeinschaft teilen, gemeinsam das Brot brechen, beten und Gott loben.

Von Cheree Hayes & BibleProject Team
übersetzt von Julia Pfeifer

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