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Was ist Pfingsten? Und warum ist es wichtig?

Eine neue Welt beginnt

21. Mai 2026
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Inhaltsverzeichnis

Pfingsten ist ein altes jüdisches Erntefest, eine christliche Feier, die so alt ist wie die Gemeinde Jesu. Der Name stammt von einem griechischen Wort, das „fünfzigstes“ bedeutet. Und der Pfingstmoment, der im Neuen Testament beschrieben wird, ist ein Ereignis, das im 1. Jahrhundert in Jerusalem stattfand, bei dem die Köpfe der Menschen (sozusagen) Feuer fingen. Bei diesem Ereignis wirbelte ein Sturm durch eine vollbesetzte Hausparty, und alle waren verwirrt – einige gerieten in Panik. Und dann konnten die anwesenden Männer mit den feurigen Köpfen spontan mehrere Sprachen sprechen.

Für sich genommen wirkt die Pfingstgeschichte in Apostelgeschichte 2 irgendwie seltsam. Aber wenn man das, was am Pfingsttag passiert ist, im größeren Zusammenhang der Bibel betrachtet, wird die Geschichte klarer. Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, ist eher ein Historiker als ein Nachrichtensprecher. Er erzählt uns, was passiert ist, indem er eine Geschichte schreibt, die bewusst auf wiederkehrende Muster und Themen des Alten Testaments Bezug nimmt. Und es ist nicht das erste Mal, dass aus dem Nichts ein göttliches, strahlendes Feuer auftaucht und nichts verbrennt.

Wenn wir das erste Pfingsten (in Apostelgeschichte 2) im Kontext betrachten, geht es nicht nur darum, dass Gott den Menschen sofortige Mehrsprachigkeit oder das feurige Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes schenkt. Diese Geschichte markiert auch den Beginn einer neuen Welt.

Das alte und doch neue Feuer, das Pfingsten entfacht

In der hebräischen Bibel werden mysteriöse Windstürme mit Feuer oder Blitzen immer mit zwei Dingen in Verbindung gebracht: Gottes Gegenwart und die Errichtung eines Tempels.

Jahwe zeigt sich Mose durch das Feuer eines brennenden Buschs; dem sogenannten Seneh-Baum (was sehr nach „Sinai” klingt und andeutet, was dort später passieren wird). In dieser berühmten Szene spricht Gott in Moses eigener Sprache und sagt ihm, dass er auf heiligem Boden steht, was bedeutet, dass dieser Ort wie ein Tempel ist. Und dann verspricht Gott, Mose die Kraft zu geben, um ihm zu helfen, Israel aus der Unterdrückung zu befreien (Exodus 3).

Mose befreit sein Volk aus der Sklaverei und sie machen sich auf den Weg zum Berg Sinai, wo ein riesiges Feuer auf dem Berg brennt, während ein Sturm mit Wind und Feuer losbricht (Exodus 19,18-20). Wie schon vorher zeigt dieses Feuer, dass Gott da ist, und macht den Berg symbolisch zu einem Tempel und einem Ort, an dem Gott ist. Das Volk ist verwirrt, erstaunt und einige haben panische Angst (Exodus 20,18). Aber Gott versichert ihnen, dass er mit ihnen zusammenarbeitet, um ihnen Gutes zu tun, nicht um ihnen zu schaden. Er gibt ihnen zehn Gebote für das Leben, und alle stimmen zu, sie zu befolgen.

Später, als auf demselben Berg die Stiftshütte gebaut wird, zeigt sich Gott in einer riesigen Feuersäule, die über ihr schwebt. Das Feuer zeigt Gottes Gegenwart und macht diese Stelle zu einem Ort, an dem Gott sein kann. Als Israel einen dauerhaften Tempel baut, erscheint dasselbe Feuer als Gottes Herrlichkeit, die dort wohnt. Das ist ein greifbares Zeichen dafür, dass Gottes Gegenwart in seinem Tempel, mitten in der Gemeinschaft und dem Leben seines Volkes, angekommen ist.

Die Geschichten von Mose und dem brennenden Busch, dem Berg Sinai, der Stiftshütte und dem Tempel enthalten alle Feuer, das erscheint, wenn Gottes Gegenwart kommt, und seinen Tempel oder den Ort, an dem seine Herrlichkeit wohnt, kennzeichnet. In Apostelgeschichte 2 verweist Lukas auf diese früheren Szenen mit göttlichem Feuer, um einen Hintergrund für die Pfingstgeschichte zu geben. Das göttliche Feuer ruhte zuvor auf den Tempelräumen Jahwes, wo ruht es also in dieser Szene?

Apostelgeschichte 2,1-3

1 Als der Pfingsttag anbrach, waren alle wieder beieinander. 2 Plötzlich setzte vom Himmel her ein Brausen ein. Es klang wie das Tosen eines heftigen Sturms und erfüllte das ganze Haus, in dem sie zusammensaßen. 3 Sie sahen etwas, das wie Feuerzungen aussah, sich zerteilte und sich auf jeden Einzelnen von ihnen setzte.

Es ist ein Tempel, der aus „jedem Einzelnen von ihnen“ gemacht ist. Er besteht aus Menschen. Die Menschen werden Gott nicht an einem bestimmten Ort oder in einem gebauten Raum begegnen, sondern in Verbindung mit denen, die sich dafür entscheiden, Jesus zu vertrauen und ihm zu folgen. Gottes Feuer strahlt mit Kraft und tut niemandem weh, und es entfacht eine kosmische Revolution, die Kirche. Die Geschichte sagt uns, dass Gott jetzt in der Gemeinschaft der Jesus-Nachfolger wohnt. Dieser lebendige Tempel besteht aus Menschen, die wie Jesus handeln, Angst und Unterdrückung mit Liebe beenden und der Menschheit friedlich beibringen, wie man einander liebt und segnet. In diesem Sinne markiert Pfingsten den Beginn einer neuen Welt.

Wann ist Pfingsten? Und was hat das mit Gottes Königreich zu tun?

In vielen liturgischen und anderen kirchlichen Traditionen findet der Pfingstsonntag 50 Tage nach Ostern statt und feiert den Beginn der Gemeinde. Bedenke, dass Jesus zu diesem Zeitpunkt der Geschichte nach seiner brutalen Kreuzigung schon auferstanden ist und wieder mit seinen Boten (den Aposteln) in Kontakt getreten ist, um ihnen Anweisungen für ihre bevorstehende Mission zu geben.

Lukas sagt, dass Jesus nach seiner Auferstehung den Aposteln erschien und über Gottes Königreich sprach (Apostelgeschichte 1,3). Das hat sie sicher mit Hoffnung und Begeisterung erfüllt. Seit Jahrhunderten hatte Gott versprochen, eines Tages den schädlichen menschlichen Reichen eine Ende zu bereiten, indem er sein eigenes Königreich mit uns aufbaut – indem er sein Leben im Himmel vollständig mit unserem Leben auf der Erde verbindet.

Wenn Himmel und Erde komplett vereint sind, hat das Böse keinen Platz mehr. Gottes Königreich aufzubauen bedeutet, dem Bösen ein Ende zu setzen, was nicht durch Gewalt oder Zwang geschieht, sondern durch liebevolle Güte und geduldige Vergebung. Es ist eine Welt, die von Liebe statt von Angst bestimmt wird.

Die Apostel sind total begeistert von dieser tollen Nachricht und wollen sofort loslegen! Aber Jesus sagt ihnen, sie sollen in Jerusalem bleiben, genau wie der Prophet Jesaja. Er will, dass sie auf den Moment warten, in dem Gott seinen Geist über sie „gießt“, wie der Prophet Jesaja gesagt hat (vgl. Jesaja 32,15), und fügt hinzu, dass das bald passieren wird (Apostelgeschichte 1,4-6). Aber sie haben Fragen.

Die Apostel fragen: „Herr, wirst du dann das Reich Israel wiederherstellen?“ Und Jesus sagt ihnen, dass die Details zum Zeitplan Gott festgelegt hat und sie das nicht „wissen müssen“ (vgl. Apostelgeschichte 1,7). Sie sind enttäuscht und verwirrt, aber Jesus versichert ihnen, dass diese Taufe mit dem Heiligen Geist sie befähigen wird, seine Zeugen in der ganzen Welt zu sein – überall und schließlich für alle Menschen (Apostelgeschichte 1,8). Das ist der Anfang einer neuen Welt. Die alte Welt schafft Feinde und spaltet die Menschen, die behaupten, dass einige liebenswert und andere wertlos sind, aber in Gottes Königreich ist das nicht so! Dort begegnen sich alle Menschen mit Liebe und ohne Vorurteile (vgl. Apostelgeschichte 10,34-43; Römer 2,11).

Die Bedeutung von Pfingsten

An Pfingsten begann eine internationale Bewegung, um alle Menschen – Juden und Nicht-Juden – in Gottes Familie aufzunehmen. Das ist einer der Gründe, warum wir das Wunder des „Zungenredens” sehen. Im Griechischen kann „Zungen” echte menschliche Sprachen bedeuten, und das scheint Lukas in Apostelgeschichte 2,8 sagen zu wollen. Er fängt die Frage ein, die sich alle stellten: „Wie kommt es, dass wir sie alle in unserer eigenen Sprache hören, in der wir geboren wurden?”

Die Apostel Jesu sind alle Juden und kommen aus einer kleinen Umgebung, dem nördlichen Teil Israels, Galiläa (Apostelgeschichte 2,7). Sie sprechen dieselbe Sprache. Es wäre also schwierig, allein mit ihnen die gute Nachricht von Jesus in die ganze Welt zu tragen. Es sei denn – was wäre, wenn die Welt zu ihnen käme und sie schnell mehrsprachig würden?

In Apostelgeschichte 2,5 sagt Lukas, dass sich Juden „aus aller Welt in Jerusalem“ zu dieser Zeit zum Pfingstfest in Jerusalem versammelt hatten. Was ist das Pfingstfest? Es ist ein großes jüdisches Erntefest – auch Shavuot oder Wochenfest genannt –, das 50 Tage nach dem Passafest stattfindet. Es ist eines der drei wichtigsten Feste, zu denen Hunderttausende von Pilgern nach Jerusalem kamen, um groß zu feiern.

Die „ganze Welt“ war zu ihnen gekommen. Und als der Wind und das Feuer auftauchten, waren alle „fassungslos“, denn jeder hörte die Apostel „in seiner eigenen Sprache reden“ (Apostelgeschichte 2,6).

Es ist fast so, als hätte Jesaja dieses Pfingsten in Apostelgeschichte 2 bereits im Alten Testament vorhergesagt. Als er die spätere Wiederherstellung Israels verkündete, sprach er für Jahwe und sagte: „Und ihr seid meine Zeugen … und ich bin Gott. Und auch in Zukunft bin ich noch derselbe Gott.“ (Jesaja 43,12-13).

Jetzt hören die Menschen Jesus sagen: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist über euch gekommen ist, und so meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und bis in den letzten Winkel der Welt.“ (Apostelgeschichte 1,8). Das ist eine Aussage, die die ganze Welt betrifft – niemand wird ausgelassen. Die Apostel sind Zeugen der Auferstehung Jesu und der tiefen, unzerbrechlichen Liebe Gottes zu allen Menschen.

Und um den Aposteln zu helfen, allen Menschen überall auf der Welt davon zu erzählen, gibt Gott ihnen die Kraft, genau in diesem Moment, inmitten einer riesigen Menge internationaler Reisender, in fremden Sprachen zu sprechen. Auch hier sprach Jesaja für Jahwe, als er schon zu seiner Zeit über diese Art von Mission schrieb: „Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gemacht, / dass mein Heil das Ende der Erde erreicht.“ (Jesaja 49,6).

Dies war der Moment, in dem das göttliche Feuer den neuen Tempel identifizierte, den neuen Ort, an dem Himmel und Erde sich überschneiden, nämlich die Gemeinde, die aus den Nachfolgern Jesu besteht. Nicht ein Berg, nicht ein schönes Gebäude, ein heiliger Ort oder Raum – Gottes Tempel besteht aus Männern und Frauen, von denen man es vielleicht nicht erwartet hätte. Gott lebt in den Menschen, die Zeugnis von dem auferstandenen Jesus ablegen, indem sie sich dafür entscheiden, nach seiner Art der Liebe zu leben. Und die ganze Welt wird schließlich Gott durch diese Gemeinschaft von Menschen begegnen, die Gott und andere so lieben, wie Jesus es tut.

Fazit

Worum geht es also am Pfingstsonntag? Es geht um diesen unerwarteten (und doch erwarteten) Moment im Jerusalem des 1. Jahrhunderts, als die Köpfe der Apostel Feuer fingen, als ein seltsamer Sturm in einem Raum voller internationaler Reisender tobte. Es ist der Tag, der durch jede Wind- und Feuer-Episode im Alten Testament vorweggenommen wurde, und der Tag, den Jesus versprochen hatte, als er den Propheten Jesaja zitierte.

Es ist der Moment, in dem seine liebende Gemeinde ihren Anfang nahm, und es ist der Beginn einer neuen, friedlichen Welt. Frohe Pfingsten!

Im Original von BibleProject Scholar Team
Übersetzung von visiomedia Team