Warum prüft Gott die Menschen in der Bibel?

Werden wir Gottes Weisheit oder unsere eigene wählen?

Eine Glaubensprüfung

Ein Prüfung ist eine Möglichkeit, das Wissen, die Fähigkeiten oder die Entschlossenheit einer Person zu messen. Man muss eine Prüfung ablegen, um einen Abschluss zu erhalten oder zu beweisen, dass man ein Auto fahren kann. Möglicherweise muss man sogar eine Prüfung ablegen, um zu zeigen, dass man bereit für einen Job ist. Durch Prüfungen soll herausgefunden werden, ob wir den Anforderungen entsprechen. Es gibt auch Prüfungen, die auf natürliche Weise im Leben auftauchen. Wir erleben Prüfungen, wenn wir eine schwierige Entscheidung treffen müssen – einen Moment, der deinen Charakter auf die Probe stellen kann.

Geprüft zu werden ist ein natürlicher Bestandteil des Menschseins. Es überrascht also nicht, dass das Prüfen auch ein biblisches Designmuster ist. Die Charaktere in der Bibel durchlaufen die gesamte Geschichte hindurch Prüfungen, um zu sehen, ob sie dem beabsichtigten Zweck Gottes für die Menschheit gerecht werden können. Schauen wir uns das erzählerische Muster an, wie Gott den Menschen Prüfungen vorlegt, um zu sehen, ob sie mit Treue reagieren oder nach ihrem eigenen Verständnis in Ungehorsam handeln.

Wen Gott in der Bibel prüft

Die erste Prüfung wird auf den ersten Seiten der Bibel vorgestellt. In Genesis 3 sagt Gott Adam und Eva, dass sie frei sind, vom Baum des Lebens zu essen, aber nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Und Gott ist ziemlich klar über die Konsequenzen: Vom Baum des Lebens essen und ein ewiges Leben mit Gott und in Fülle führen, oder vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen und sterben. Die Menschen erliegen der Versuchung und wählen, vom verbotenen Baum zu essen, und leiten damit eine Abwärtsspirale der Sünde ein.

An dieser Geschichte stören sich viele Menschen und sie lässt uns fragen: Warum sollte Gott die Menschen auf diese Weise prüfen?

Gottes Garten Eden-Ideal

Dies war keine willkürliche Prüfung, durchgeführt von einem grausamen Gott. Die Szene im Garten Eden und die Wahl zwischen unserem eigenen Weg oder einem erfüllten Leben in Gott ist etwas, dem sich alle Menschen stellen müssen. Gott hat die Menschen dazu entworfen, Mitschöpfer und Mitregenten an seiner Seite zu sein (das bedeutet, dass wir nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind), und die einzige Möglichkeit, in diesem Beruf erfolgreich zu sein, besteht darin, vom eigenen Leben Gottes zu essen. Das bedeutet, dass die Gelegenheit, wirklich Mensch zu sein, wie Gott es beabsichtigt hat, auch eine Prüfung ist. Und die Wahl liegt bei uns.

Adam und Eva entschieden sich dazu, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, und folgten einem Weg, der von Gottes Anweisung und Weisheit abwich. Ja, sie wurden durch ein betrügerisches Geschöpf zu dieser Entscheidung getäuscht, aber am Ende lag die Entscheidung bei ihnen. Als Folge wurden sie aus dem Garten Eden verbannt und verloren den Zugang zum Baum des Lebens. Aber die Gelegenheit, mit Gott zu gehen und über die Schöpfung in seinem Auftrag zu herrschen, verschwand nicht. Tatsächlich handelt die nächste Geschichte davon, wie die Kinder von Adam und Eva vor derselben Prüfung stehen wie vorher ihre Eltern.

Eine zweite Chance für die Menschheit

Wir finden die nächste Prüfung in der Geschichte von zwei Brüdern, Kain und Abel, in Genesis 4.

Adam erkannte seine Frau Eva, sie wurde schwanger und brachte Kain zur Welt. Sie sagte: „Mit Hilfe des HERRN habe ich einen Sohn geboren.“ Später gebar sie seinen Bruder Abel. Abel hütete Schafe und Kain war ein Ackerbauer. Im Laufe der Zeit brachte Kain dem HERRN Früchte des Bodens als Opfer dar. Und auch Abel brachte ein Opfer dar – von den Erstlingen seiner Herde. (Genesis 4,1-4)

Die Geschichte beginnt mit den beiden Brüdern, die Gott Opfer darbringen. Kain bringt ein Opfer von seinen Feldfrüchten, und Abel bringt ein Opfer von seiner Herde. Die Erzählung sagt uns nicht, warum sie Opfer darbringen, aber es erfordert nicht viel Überlegung, um zu verstehen, was wahrscheinlich vor sich geht. Die Beziehung der Menschheit zu Gott steht auf dem Spiel. Kain und Abel sind außerhalb des Gartens Eden aufgewachsen und tragen die Konsequenzen aus den Handlungen der ersten Generation. Aber Kain und Abel wollen ihre Berufung als Ebenbilder wiedererlangen und die Schöpfung gemeinsam mit Gott regieren. Und welches Symbol für ihre Loyalität und Hingabe zu Gott passt besser als ein Opfer, nicht wahr? Aber sobald die Opfer dargebracht sind, sehen wir, dass es gar nicht so leicht ist, das richtige Opfer zu bringen.

Der HERR blickte gnädig auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer blickte er nicht gnädig. (Genesis 4,4-5)

Wir erfahren nicht, warum die Brüder Opfer darbringen, und auch nicht, warum Gott das eine Opfer dem anderen vorzieht. (Das ist eine interessante Frage, über die man zu einem anderen Zeitpunkt nachdenken kann.) Aber die entscheidende Erkenntnis hier ist, dass Kains und Abels Opfer, obwohl sie dazu gedacht waren, ein Problem zu lösen, stattdessen ein neues Problem schufen. Wie wird Kain mit seinem nicht anerkannten Opfer umgehen? Lass uns weiterlesen.

Aber auf Kain und seine Opfergabe achtete er nicht. Da geriet Kain in heftigen Zorn und senkte finster sein Gesicht. Jahwe fragte ihn: „Warum bist du so zornig? Was soll dein finsterer Blick? Hast du Gutes im Sinn, dann heb den Kopf hoch! Wenn aber nicht, dann liegt die Sünde schon vor der Tür und sie hat Verlangen nach dir. Aber du musst es sein, der über sie herrscht!“ (Genesis 4,5-7)

Auch hier erfahren wir nicht, warum Kains Opfer schlecht war, aber diese Situation liefert uns einen schönen Austausch zwischen Gott und Kain in den Versen 6 und 7. Während Kain darüber verärgert ist, dass sein Opfer nicht angenommen wurde, kommt Gott zu Kain wie ein fürsorglicher Vater und gibt ihm Anleitung. Er sagt Kain, dass er die Wahl, das zu tun, was richtig ist, oder das, was falsch ist. Als Leser sollte uns dies sofort an die Wahl erinnern, die Adam und Eva im Garten Eden gestellt wurde. Gott bat sie, das Leben über den Tod zu wählen, und jetzt präsentiert Gott ihrem Kind dieselbe Wahl. Kain hat die Chance, die richtige Wahl zu treffen, bei der seine Eltern versagt haben.

Sünde, die zerstört

In diesem Austausch erhalten wir auch ein lebhaftes Bild davon, wie gefährlich diese Wahl zwischen Gottes Weisheit oder unserer eigenen sein kann. Selbst wenn wir wählen, das Richtige zu tun, lauert die Sünde immer noch vor unserer Tür. Das Wort „liegen“ hier in dieser Übersetzung ist das Wort, das auch für Tiere verwendet wird, die ihre Beute belauern. Wie Adam und Eva einem betrügerischen Geschöpf begegneten, das sie zur Sünde führte, beschreibt Gott hier die Sünde als eine Kreatur, die darauf wartet, zuzuschlagen. Die Sünde ist ein Raubtier, das nach Gelegenheiten sucht, uns zu zerstören, aber Gott weist Kain an, „über sie zu herrschen“.

Auch in unserem modernen Kontext können wir die Schwierigkeit von Prüfungen erkennen. Sie zeigen unsere Fähigkeiten auf und ob wir das Zeug dazu haben, erfolgreich zu sein. Für Kain stellt seine Prüfung ihm die schwierige Wahl, ob er aus Wut handeln will oder nicht. Wird er zulassen, dass seine Wut in Gewalt umschlägt, oder wird er über seine sündigen Impulse herrschen?

Leider macht Kain es nicht besser als seine Eltern. Auch er besteht diese Prüfung nicht und lässt seine Wut zu Gewalt gegen seinen eigenen Bruder werden. Er tötet Abel trotz Gottes Warnung vor der ständigen, raubtierhaften Gegenwart der Sünde. Es ist ein beunruhigendes Bild der Menschheit, das den Weg ebnet für den Rest der biblischen Geschichte.

Gottes Weisheit oder unsere eigene?

Wir haben erst wenige Seiten in der Bibel gelesen und haben bereits gesehen, wie zwei Generationen ähnliche Prüfungen durchlaufen. Dieses Muster ist wichtig. Es sollte uns dazu bringen, uns zu fragen: Werden alle Menschen diese gleiche Prüfung durchlaufen? Und die Antwort lautet: ja. Wir werden alle mit einer ähnlichen Prüfung konfrontiert. Und die Entscheidung, wie wir handeln, liegt bei uns. Werden wir nach Gottes Weisheit oder nach unserer eigenen leben? Lassen wir uns von unserer Sünde beherrschen, oder werden wir über unsere Sünde herrschen? Werden wir mit Gott zusammenarbeiten, um sein Ebenbild in der Welt zu tragen, oder wollen wir auf unsere eigene Weise leben?

Die Geschichte der Bibel macht deutlich, dass die Menschen nicht in der Lage sind, diese Prüfung zu bestehen und die Gelegenheit zu ergreifen, wirklich Mensch zu sein. Aber die gute Nachricht der biblischen Geschichte ist, dass Gott selbst Mensch wurde, um die Prüfung stellvertretend für uns zu bestehen. Der Verfasser des Hebräerbriefs sagt uns, dass Jesus in jeder Hinsicht versucht wurde wie wir, aber er beherrschte diese Versuchungen und ließ die Sünde nicht über ihn herrschen (Hebräer 4,15).

Nicht nur hat Jesus die Prüfung bestanden, sondern er hat sich auch selbst als Opfer für uns dargebracht. Kain brachte kein angemessenes Opfer dar, aber Jesus tat es. Und wie Kain finden wir uns ständig von der Sünde verschlungen. Paulus bringt diese Idee in seinem Brief an die Römer zum Ausdruck.

Denn alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Doch werden sie ohne eigenes Zutun durch seine Gnade gerecht gesprochen. Das geschieht aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ‹Wirklichkeit geworden› ist. Ihn hat Gott als Sühnopfer öffentlich dargestellt. Durch sein vergossenes Blut ist die Sühne vollzogen worden, und durch den Glauben kommt sie uns zugute. So hat Gott auch den Beweis erbracht, dass er gerecht gehandelt hatte, obwohl er die bis dahin begangenen Sünden der Menschen ungestraft ließ. (Römer 3,23-25)

Und die Prüfung liegt immer noch vor uns – eine Gelegenheit, mit Gott vereint zu sein, wie er es beabsichtigte. Die Sünde ist eine mächtige Kraft, und dies ist keine einfache Prüfung. Aber es gibt Hoffnung. Die Prüfung wurde bereits stellvertretend für uns bestanden. Jesus kam, um das zu tun, was die Menschheit nicht konnte, und uns mit Gott wieder zu vereinen und uns zu unserer göttlichen Bestimmung und dem Ideal des Gartens wiederherzustellen.

Original von BibleProject-Team
Übersetzung von Julia Pfeifer

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