Verbunden – der Schöpfungsplan für den Menschen in der biblischen Geschichte

Der Schöpfungsplan für den Menschen in der biblischen Geschichte

Tief im Inneren unseres Wesens haben wir alle eine Sehnsucht nach Vollständigkeit. Die Art und Weise, wie wir diesen grundlegenden Wunsch in unserem Alltag spüren, kann aber total unterschiedlich aussehen. Vielleicht ist es ein Gefühl der Zugehörigkeit, wenn wir uns mit jemandem verbunden fühlen oder wenn wir einfach angenommen werden. Vielleicht ist es ein dumpfes Gefühl der Unverbundenheit oder Einsamkeit, oder vielleicht ist es ein Zwang, unseren Schmerz auf eine ungesunde Weise zu lindern. Wie sich das auch immer ausdrücken mag, die Sehnsucht nach Vollständigkeit ist eine grundlegende menschliche Erfahrung.

Welches Licht wirft die biblische Geschichte auf diese tiefe Sehnsucht nach Vollständigkeit? Woher kommt diese Vollständigkeit? Wie können wir sie fördern? Die biblische Darstellung von Gottes Wesen und der Anfang der biblischen Geschichte sind zwei hervorragende Ausgangspunkte, um dieses Konzept zu erforschen. Beide Wege bekräftigen, dass der Mensch auf Verbundenheit angelegt ist, und dass die Verbundenheit – mit Gott und anderen – das Herzstück der Vollständigkeit ist.

Das Herzstück der Vollständigkeit

Ich kann nachvollziehen, wenn du einfach abgeschaltet hast. Einige von uns gehen wahrscheinlich davon aus, dass wir doch irgendwie schon alles wissen, was es über Beziehungen zu wissen gibt. Oder vielleicht empfinden wir Verbundenheit auch als etwas, was zu schwierig, zu riskant, zu schmerzhaft oder einfach zu zeitaufwendig ist. Vielleicht kommt uns Verbundenheit eher wie eine weitere Aufgabe vor, die wir erledigen müssen, um ein „guter Mensch“ zu sein, als etwas, das Leben spendet.

Aber die biblische Geschichte zeigt uns eine andere Perspektive auf die Verbundenheit, eine, die in erster Linie in der Identität Gottes verwurzelt ist. Wer also ist Gott, und was hat das mit unserem tief verwurzelten Wunsch nach Verbundenheit zu tun?

Es ist leicht, Gott in erster Linie als Herrscher, Schöpfer oder Richter zu sehen, aber jede dieser Rollen hängt untrennbar mit der Schöpfung zusammen, als ob Gott etwas anderes als sich selbst bräuchte, um zu sein, was er ist. Unsere klarste Definition dessen, wer Gott ist, stammt aus 1. Johannes 4,8: „Gott ist Liebe“. Aber selbst das kann ein wenig unklar erscheinen. Bedeutet dieser Vers, dass Gott liebevoll ist? Oder dass er Gefühle der Liebe für uns empfindet?

Tatsächlich bezieht sich der Satz „Gott ist Liebe“ auf etwas, das so viel mehr ist als Gottes Charakter oder Veranlagung; er beschreibt sein wahres Wesen. Mit anderen Worten: Gott ist Liebe, weil er Vater, Sohn und Geist ist.

Die Lehre von der Dreieinigkeit ist nicht nur ein Anhängsel des christlichen Glaubens oder ein Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Gottes dreieinige Identität bildet den Kern dessen, was er ist. Im Kern seines Wesens ist Gott ein auf andere ausgerichtetes, sich selbst gebendes Wesen. In aller Ewigkeit existiert er als Vater, Sohn und Geist in einer Gemeinschaft vollkommener Liebe. Das ist gemeint, wenn es heißt: „Gott ist Liebe“. Er hat nicht nur Liebe; er ist Liebe. (Über den dreieinigen Gott, siehe Matthäus 3,16-17; 28,19; 1. Korinther 8,6; 2. Korinther 13,13).

 

Ein auf andere ausgerichtetes und sich selbst gebendes Wesen

Gott ist also in seinem Wesen beziehungsorientiert, und das hat direkte Auswirkungen auf unsere eigene beziehungsorientierte Identität und unser Bedürfnis nach Verbundenheit. Gott ist keine einsame Gottheit, die aus dem Bedürfnis heraus, jemand anderen zu brauchen oder bedient zu werden, geschaffen hat. Er hatte die vollkommene Liebe in sich selbst; er brauchte niemand anderen. Es ist eine tiefgreifende Erfahrung, die Schöpfung und unsere Mitmenschen aus dieser Sichtweise zu betrachten. Die Erschaffung der Welt und der Menschheit war ein Ausdruck seines Wunsches, seine Liebe mit anderen zu teilen.

Die Art und Weise, wie die biblische Geschichte beginnt, zeigt, dass der Mensch wie Gott ein Beziehungswesen ist. Die ersten Seiten der Bibel verdeutlichen, dass der Mensch für die Verbindung mit Gott und anderen geschaffen ist, und sie schildern die tragische und vertraute Erfahrung der Trennung. Der am häufigsten wiederholte Satz in Genesis 1, „Gott sah, dass es gut war“, beschreibt einen großzügigen Gott, der eine wunderbare Welt erschafft, in der die Menschheit gedeihen kann. Am sechsten Tag, auf dem Höhepunkt seiner schöpferischen Arbeit, bricht der sonst so eng strukturierte literarische Rhythmus ab, womit der Autor dem Leser signalisiert, dass das, was jetzt gesagt wird, wirklich wichtig ist:

Da sprach Gott: „Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind. Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.“ So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie. (Genesis 1,26-27).

Dies sind die ersten beiden Verse in der Bibel, in denen vom Menschen die Rede ist, und in ihnen finden wir subtile Hinweise darauf, dass der Mensch für die Verbindung mit Gott und anderen geschaffen wurde.

Marionetten-Diener oder Partner?

Im ersten Vers (Vers 26) erfahren wir, dass es Gottes Plan ist, dass die Menschen in seinem Namen regieren, dass sie mit ihm zusammenarbeiten, um schöpferisch für Gedeihen und Schönheit auf der Erde und für andere zu sorgen (siehe auch Genesis 2,15). Das ist wichtig, weil es zeigt, dass Gott nicht nur wollte, dass die Menschen zu ihm als eine Art Marionetten-Diener in Beziehung treten, sondern als seine Partner, die mit ihm verbunden sind und in seinem Namen regieren. Tatsächlich lesen wir in Genesis 3, dass Gott im Garten bei den Menschen wohnt, unter ihnen wandelt und sich mit ihnen unterhält! Für das damalige hebräische Denken muss das schockierend gewesen sein, weil Gott eigentlich nur an bestimmten Orten wohnt.

Der zweite Vers (Vers 27) zeigt, dass die Menschheit nicht nur für die Verbindung mit Gott, sondern auch für die Verbindung untereinander geschaffen wurde. Dieser Vers besteht aus drei parallelen Zeilen, von denen die ersten beiden durch Wiederholung betonen, dass Gott die Menschen nach seinem Bild geschaffen hat. Die letzte Zeile definiert, was das bedeutet: Es gibt verschiedene und unterschiedliche Individuen, männlich und weiblich, die als eine Einheit, als Menschheit, vereint sind. Obwohl sie so verschieden sind, sind die Menschen miteinander verbunden.

Der Schöpfungsplan für den Menschen, sich zu verbinden, wird im nächsten Kapitel, Genesis 2, weiter ausgearbeitet. Hier wird die Schöpfung der Menschheit aus einer anderen Perspektive erzählt (siehe Verse 18-25). Wir erfahren, wie Gott das Alleinsein des Menschen sieht – es ist „nicht gut“ – und wir lernen, dass die Lösung eine Beziehung ist. Aber es ist nicht irgendeine Art von Beziehung, sondern eine Beziehung, die durch unglaubliche Einheit und Verletzlichkeit gekennzeichnet ist. Die beabsichtigte Verbindung zwischen den Menschen wird auf verschiedene Weise angedeutet: Die Frau wird aus der Seite des Mannes geschaffen, als ob eine Person in zwei geteilt wird, sie sind ein und dasselbe „Bein“ und „Fleisch“, und ihre hebräischen Namen ish und ishah entsprechen einander. Wie in Genesis 1,27 geht es um Vielfalt in einer vollkommenen, liebenden Gemeinschaft. Der abschließende Vers dieses Abschnitts (Vers 25) zeigt die Tiefe der menschlichen Verbundenheit auf: „Adam und seine Frau waren beide nackt, aber sie schämten sich nicht.“ Mit anderen Worten: Das Idealbild ist gezeichnet von Sicherheit in der Beziehung, von Verletzlichkeit, Vertrauen und der Akzeptanz des anderen.

Wir wissen, wie die Geschichte weitergeht, aber sie hinterlässt einen anderen Eindruck, wenn wir sie durch die Brille unserer Identität als Beziehungswesen betrachten. Als die Menschen auf die Schlange in Genesis 3 hörten und vom Baum aßen, ergriffen sie die Unabhängigkeit von Gott und beschlossen, Gut und Böse selbst zu definieren. Ihr Vertrauen in Gott und in die Mitmenschen wurde dadurch verloren. Nun taten die Menschen das, was in ihren eigenen Augen gut war, anstatt Gott zu vertrauen. Und so lösten sie sich von ihrer Partnerschaft mit Gott. Sie verletzen sich gegenseitig durch Schuldzuweisungen. Sie verloren das Vertrauen zueinander, was durch das Bedecken ihrer Blöße dargestellt wird. Und sie hatten nicht mehr die Sicherheit der Verletzlichkeit in dieser neuen Kultur, in der sie nun das taten, was in ihren eigenen Augen am besten erschien. Ihre Trennung setzte einen Teufelskreis in Gang, der zu noch mehr Trennung, Gewalt und Tod führt, wie in den nachfolgenden Kapiteln erzählt wird.

Diese Geschichte über Gottes ursprüngliche Idee bei der Schöpfung des Menschen in Genesis 1-2 definiert nicht nur die Identität und den Zweck der ersten Menschen. Sie knüpft in besonderer Weise auch an unsere eigenen zentralen Sehnsüchte an und will das Konstrukt der Menschheit als Ganzes vermitteln. Und die tragische Rebellion gegen Gott und die daraus resultierende Trennung beschreibt letzten Endes auch die gesamte menschliche Situation.

Aber bereits mitten in dieser ersten Rebellion und in ihren Folgen von Schmerz und Trennung verspricht Gott, durch die menschliche Situation hindurch zu wirken, um die Quelle der Trennung zu zerstören und die Verbindung zu sich selbst und zueinander wiederherzustellen (Genesis 3,15). Wäre Gott eine einzelgängerische Gottheit, die die Menschen zu dem Zweck geschaffen hätte, ihm zu dienen, hätten sie versagt und die Geschichte wäre zu Ende. Aber der dreieinige Gott, der in seinem Kern auf andere ausgerichtet und sich selbst hingebend ist, handelt so, wie es seinem Wesen entspricht. So entwickelt sich im weiteren Verlauf der Geschichte Gottes Plan, die Menschheit in seine vollkommene Gemeinschaft der Liebe einzubeziehen. Letztlich gibt dieser sich selbst hingebende und auf die anderen ausgerichtete Gott sich selbst für die anderen (1. Johannes 4,10) und nimmt die Menschheit in Christus in die ewige Gemeinschaft der vollkommenen Liebe auf (Johannes 17,20-26; Eph. 1,3-5; Eph. 5,21-22; Röm. 8,15-17). Obwohl seine Identität als dreieiniger Gott nicht auf den ersten Seiten der hebräischen Bibel offenbart wird, ist es dieser Gott, der die Menschen zur Verbindung mit sich selbst und untereinander geschaffen hat, und er wird vor nichts Halt machen, bis diese perfekte Verbindung wiederhergestellt ist.

 

Verbindung ist das, wofür wir gemacht sind

Und doch leben wir in einer Zeit und an einem Ort, wo es immer noch Spannungen gibt zwischen unserer wahren Identität als Beziehungswesen und der Realität von Trennung, Schmerz und Leid. Es ist eine Zeit, in der Vertrauen nicht selbstverständlich ist und Beziehungen nicht immer sicher sind. Die biblische Geschichte erinnert uns aber daran, dass wir für Verbindung geschaffen sind. Wir werden unser wahres Selbst sein, wenn wir uns auf Gottes Wesen als vollkommene Gemeinschaft der Liebe besinnen und kreative und bewusste Wege finden, mit Gott und anderen in Verbindung zu treten. Die biblische Geschichte gibt uns die Hoffnung, dass uns trotz des unvermeidlichen Schmerzes der Trennung ein Leben in unserer wahren Identität als verbundene Wesen zur Ganzheit führt.

Original von Carissa Quinn
Übersetzung von Eva Dittmann

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