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Warum ist das Abendmahl in der Bibel so wichtig?

Mahlzeiten als Muster in der Bibel

25. März 2026
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Inhaltsverzeichnis

Seit Jahrhunderten kommen die Nachfolger Jesu zusammen, um an einer Mahlzeit teilzunehmen, das man oft als Abendmahl bezeichnet. Manche nennen dieses Mahl auch Kommunion oder Eucharistie, was vom griechischen Wort „eucharisteo“ kommt. Das bedeutet „danken“.

Aber warum ein Mahl? Und warum genau dieses Mahl? Was ist der Sinn dahinter?

Das Abendmahl ist eine Einladung zum Leben. Und diese Einladung findet sich schon auf den ersten Seiten der Bibel.

Die erste Mahlzeit

Auf den ersten Seiten im Buch Genesis lädt Gott die Menschheit zu einer Mahlzeit ein.

Gott ernennt die Menschheit zu seinen Stellvertretern und fordert sie auf, ihre eigene schöpferische Kraft und Vorstellung zu nutzen, um die Ordnung und Schönheit des Gartentempels auf den Rest der Schöpfung auszuweiten (Genesis 1,26-28). In dem Garten, in den die Menschheit gesetzt wird, gibt es Bäume voller Früchte zum Essen und Anbauen. Und in der Mitte des Gartens steht der Baum des Lebens (Genesis 2,9). Dieser Baum ist ein Symbol für Gottes ultimatives Geschenk an die Schöpfung: die Möglichkeit, an Gottes Güte und Leben teilzuhaben.

Die Nähe zum Baum bedeutet Nähe zum Schöpfer des Lebens. Und es ist wichtig zu wissen, dass der Baum des Lebens dazu gedacht ist, dass die Menschen von ihm essen. Tatsächlich ist Gottes erstes Gebot, dass die Menschen von allen Bäumen essen sollen, auch von diesem. Das ist eine Einladung, Gottes eigenes Leben in sich aufzunehmen (Genesis 2,16)! Die Frucht von diesem Baum zu essen, verändert die Person, die isst, und führt, wie es in der Geschichte heißt, zum „ewigen Leben” (Genesis 3,22).

Die Menschheit ist eingeladen, auf das Leben und die Weisheit, die Gott uns frei anbietet, zu vertrauen und daran teilzuhaben, indem sie die Frucht dieses Baums annimmt und isst. Allerdings verlieren die Menschen den Zugang zu dieser Frucht, weil sie beschließen, das Gute und das Leben nach ihren eigenen Maßstäben zu definieren; und so werden sie aus dem Garten vertrieben (Genesis 3,22-24). Wie können Die Menschen zur Güte nach Gottes Maßstab zurückfinden, die symbolisch durch den Baum des Lebens dargestellt wird?

Die Mahlzeiten Israels

Im Laufe der Geschichte lädt Gott die Menschen immer wieder ein, sein Leben durch Mahlzeiten zu erfahren.

Nachdem Gott die Israeliten aus Ägypten befreit hat, lädt er sie ein, ein „Königreich von Priestern” zu werden und als seine Bundespartner zu leben und zu dienen (Exodus 19,6). Diese Partnerschaft fordert von ihnen, eine Entscheidung zu treffen. Werden sie Güte und Leben nach ihren eigenen Maßstäben definieren? Oder werden sie das wahre Leben annehmen, das Gott ihnen anbietet?

Gott bestimmt einen Ablauf von Festmahlen, die sie über das ganze Jahr hinweg begehen sollen, und schafft so Gewohnheiten und Bräuche, die das Zusammenleben Israels in mindestens zweierlei Hinsicht strukturieren (z. B. Levitikus 23; Deuteronomium 16). Erstens dienen diese prägenden Festmahle dazu, regelmäßig Lobpreis, Danksagung, Gedenken und Buße zu praktizieren. Durch jahrelange Praxis tragen die Feste dazu bei, das Volk Israel zu einer dankbaren, gläubigen und vertrauensvollen Gemeinschaft zu formen, die an Gottes Güte und Leben teilhat.

Zweitens will Gott, dass diese Mahlzeiten sein Volk immer wieder an den Bund erinnern, den er mit ihnen geschlossen hat. Und es geht um mehr als nur eine Erinnerung – die Feste sprechen alle Sinne an: Schmecken, Hören, Sehen, Tasten, Riechen –, damit jeder Mensch daran denkt, den Verheißungen des Bundes treu zu bleiben, den Gott geschlossen hat, der allein wahres Leben schenkt.

Aber die Israeliten sind dem Bund untreu. Sie entscheiden sich immer wieder für falsche Bäume des Lebens, die zu Selbstzerstörung, Verbannung und Tod führen (2. Könige 21,1-7). Und wenn Gott die Israeliten mit ihren falschen Bäumen des Lebens konfrontierte, sprach er oft zu ihnen in Bezug auf die Mahlzeiten des Bundes (Jesaja 1,4-20).

In dieser Zeit sprachen die Propheten Israels von einem Tag, an dem Gott den gebrochenen Bund trotz des Versagens Israels wiederherstellen wird (z. B. Jeremia 31,31). Die Propheten nannten dies den neuen Bund. Und Gott versprach, dass ein Tag kommen wird, an dem er die Nationen zu sich versammelt und seine Bundesversprechen erfüllt. Und wie? Er wird sie zu einem Festmahl einladen (Jesaja 25,6-9), und sie werden dieses Mahl in seiner Gegenwart genießen und wieder einmal das wahre Leben feiern.

Die Mahlzeiten Jesu

Im Neuen Testament geht dieses Thema weiter. Jesus lädt die Menschen zum Essen ein. Aber es ist nicht das Festmahl, das sie erwartet haben.

Um die Zeit des Passafestes (das Fest, bei dem die Geschichte des Auszugs aus Ägypten mit einem symbolischen Mahl aus Lamm, ungesäuertem Brot und Wein nacherzählt wird) versorgt Jesus auf wundersame Weise eine Menge von tausenden Menschen mit Essen. Daraufhin bitten die Leute ihn um mehr Brot, und Jesus antwortet, dass er das „wahre Brot” ist und dass sie ewiges Leben finden werden, wenn sie „von ihm essen” (z. B. Johannes 6,53-59). Diese Einladung, von ihm zu essen, ist eine Einladung, ihm zu vertrauen und sich durch sein Leben verändern zu lassen (z. B. Johannes 6,51).

Später sagt Jesus, er sei der Weinstock, der Gottes Leben in die Welt bringt (siehe Johannes 15,1; Johannes 15,4-5). Er sagt, dass seine Jünger diejenigen sind, die in ihm „bleiben“ oder „verbleiben“, wie Zweige, die mit einem Weinstock verbunden sind. Und dieses Bleiben wird das Leben eines Menschen durchdringen – ihn heilen, verwandeln und neu machen. Jesus bietet sich selbst als neuen Baum des Lebens an.

Jesus und das Passafest

Am Abend vor seinem Tod feiert Jesus mit seinen Jüngern ein Passamahl (siehe Matthäus 26,26-29; Markus 14,22-25; Lukas 22,15-20). Bei diesem Mahl nimmt Jesus Brot, segnet es, bricht es und gibt es seinen Jüngern. Dann nimmt er einen Becher Wein, sagt ein Dankgebet (griechisch eucharisteo) und gibt ihn seinen Jüngern. Er verbindet das Brot wieder mit seinem Körper und den Wein mit seinem Blut. Und er fordert seine Jünger auf, zu essen und zu trinken, um sich an ihn zu erinnern. In diesem Gedenken und im Dank liegt die Einladung, Leben zu empfangen, genau wie beim Essen vom Baum des Lebens.

Bei diesem Mahl führt Jesus einen neuen Bund ein (z. B. Lukas 22,20). Durch diesen Bund wird Gottes ewiges Leben wieder verfügbar, aber dieses Mal kommt es durch Jesus (z. B. Markus 1,15).

Ein neuer Bund

Jesus wurde später auf einen Hügel gebracht, wo römische Soldaten ihn an einem anderen „Baum“, einem Holzkreuz, umbrachten (siehe Johannes 19:16-18). Dort haben sie seinen Körper gebrochen und sein Blut vergossen, weil sie dachten, sie könnten ihn mit ihrem Baum des Todes vernichten. Aber sie haben Jesus unterschätzt. Sie versuchten, ihm das Leben zu nehmen, aber sie erkannten nicht, dass Jesus es freiwillig gab, wie ein Opferlamm, für die Sünden der ganzen Welt. Anstatt gegen seine Feinde zu kämpfen oder sich selbst zu schützen, geht er durch den Tod (z. B. Galater 3,13-14) und wird drei Tage später auferweckt! Das ist eine neue Art von Opferlamm, das für einen neuen Bund geschlachtet wurde.

Und jetzt stellt Jesus uns vor eine neue Wahl zwischen Leben und Tod. Ein neuer Baum des Lebens steht vor uns allen. Wir können davon essen und trinken, aber das bedeutet, dass wir wie Jesus demütig den Tod durchleben und unsere alte Art, als Menschen zu kämpfen und uns zu schützen, sterben lassen müssen. Und es bedeutet auch, dass wir das wahre Leben, die treue Liebe zu allen, annehmen müssen. Nach Jesu Vorbild zu leben bedeutet, Gottes neuen Bund anzunehmen (z. B. Lukas 22,20), und dieser neue Bund wird mit einer neuen Art von Bundesmahl in Erinnerung behalten und gefeiert.

Dieses Mahl heute

Die Menschen, die Jesus nachfolgen, nehmen regelmäßig am Abendmahl (oder der Kommunion/Eucharistie) teil, um sich an die Kraft von Jesu Leben zu erinnern und daran teilzuhaben. Durch Brot und Kelch wird ein neuer Bund gefeiert und eine Verbindung für uns zu einer neuen Lebensquelle hergestellt. Die Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, ist dieselbe Kraft, die die Verderbtheit und die falschen Bäume in unserem eigenen Leben heilen und uns in Menschen der Wahrheit, Schönheit und Güte verwandeln kann.

Dieses Mahl sieht in den verschiedenen christlichen Traditionen unterschiedlich aus. Einige tauchen das Brot in den Wein. Andere trinken aus einem gemeinsamen Kelch. Einige Traditionen verwenden Oblaten anstelle von Brot, oder Saft anstelle von Wein. Auch die Häufigkeit dieses Mahls variiert. Es wird wöchentlich, monatlich oder sogar einmal im Jahr angeboten. Es gibt mehr als eine Möglichkeit, das Mahl zu feiern, und das ist in Ordnung. Das Wichtigste ist, dass wir uns an das Geschenk erinnern, das Jesus uns durch sein Opfer gemacht hat, und an das neue Leben, das wir von ihm bekommen. „Tut dies als Erinnerung an mich“, sagte Jesus (z. B. Lukas 22,19).

Dieses Mahl ist eine Einladung, uns an Jesus zu erinnern. Es repräsentiert für unsere Sinne – genau wie die Mahlzeiten, die Gott für die Israeliten eingeführt hat – das Leben und den Tod Jesu. Dieses Mahl ist nicht etwas, das wir für Jesus tun, sondern es erinnert uns daran, was Jesus für uns getan hat. Und es wird zu etwas, das wir mit Jesus tun. Wir nehmen gemeinsam mit ihm daran teil.

Das zukünftige Mahl

In den ersten Seiten von Genesis wird die Menschheit zu einem Mahl eingeladen, das Leben schenkt.

Dann, im ganzen restlichen Teil der Bibel, markieren die von Gott angeordneten Mahlzeiten sowohl die Verheißungen des Bundes, den er mit seinem Volk schließt, als auch eine Einladung an sein Volk, niemals seine Liebe und Treue ihnen gegenüber zu vergessen. Sie sollen sich daran erinnern, dass er allein ihre wahre Lebensquelle ist.

Und auf den letzten Seiten der biblischen Geschichte wird die Menschheit zu einem weiteren Mahl eingeladen.

Die fortwährende und wiederholte Teilnahme am Abendmahl erinnert uns daran, dass dies, so wunderbar es auch ist, nicht das letzte Mahl ist, das Jesus für uns vorbereitet hat. Wenn er wiederkommt, wird Jesus sein Volk aus allen Völkern, Stämmen und Sprachen versammeln. Und sie werden wieder Zugang zum Baum des Lebens haben (Offenbarung 22,2). Er wird sie zu dem Mahl führen, das er für sie vorbereitet hat, und sie werden in seiner Gegenwart ein ewig lebensspendendes Mahl genießen (Offenbarung 19,6-9).

Das Abendmahl erinnert uns an das Leben und Wirken Jesu und kennzeichnet uns als Menschen seines neuen Bundes. Und während es all dies tut, nimmt es auch das endgültige herrliche Festmahl vorweg. Das Mahl dient als Vorgeschmack auf das, was kommen wird – ein Vorgeschmack auf das wahre Leben. Möge dieses Mahl des neuen Bundes in uns die Hoffnung auf Jesu Rückkehr und die Dankbarkeit für das, was er ist und was er getan hat, wecken.

Original von BibleProject Scholar Team
Übersetzung von Julia Pfeifer